Bingen
Das Binger Loch war lange Zeit die schwierigste Engstelle für die Schifffahrt im Oberen Mittelrheintal. Im Mittelalter konnten Schiffe das Riff, das sich beim Durchbruch des Rheins durch das Schiefergebirge gebildet hatte, nicht passieren. Waren mussten in Lorch von Bord und über den Landweg weiter transportiert werden. Diese Untiefe im Rhein war aber schon den Römern bekannt, die bereits versuchten, einen Durchbruch zu schaffen. Doch erst den Preußen gelang im 19. Jahrhundert die Sprengung des Binger Lochs, was nun der Schifffahrt ein uneingeschränktes Passieren ermöglichte.
Nachdem Römer sich in Bingen am Rhein angesiedelt hatten, entstand im 4. Jahrhundert eine erste christliche Gemeinde, die von Aetherius von Bingen gegründet wurde. Die Ländereien fielen bald dem fränkischen Königsgut zu und der Erzbischof von Mainz baute die Siedlung aus und befestigte sie. Im 18. Jahrhundert besetzten französische Truppen die linke Rheinseite und Bingen wurde französisch. Nach dem Wiener Kongress ging die Stadt an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, der heutige Stadtteil Bingerbrück jedoch an Preußen, wodurch die Stadt zur Grenzstadt wurde. Erst 1969 wurde Bingerbrück eingemeindet. Untrennbar mit dem Ortsnamen verknüpft ist Äbtissin Hildegard von Bingen, Benediktinerin und Mystikerin, die 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen starb.
Über die Besiedlungsgeschichte können Besucher in Bingen Spannendes erfahren. So finden sich im Binger Wald die ergrabenen Grundmauern eines römischen Gutshofs. In der „Villa rustica“, etwa 200 bis 400 n. Chr. entstanden, kann das alltägliche Leben in der römischen Siedlung nachempfunden werden. Die Basilika St. Martin ist eine der ältesten Kirchen der Stadt und entstand wohl schon unter Erzbischof Willigis von Mainz. Die neogotische Rochuskapelle steht ebenso wie die jedes Jahr unternommene Rochuswallfahrt für das blühende christliche Leben am Mittelrhein. Der Alte Binger Rheinkran und der Binger Mäuseturm sind bis heute lebendige Zeugnisse für die florierende Rheinschifffahrt. Aber nicht nur die baulichen Sehenswürdigkeiten der Stadt locken Besucher nach Bingen, sondern auch die alljährlichen Veranstaltungen wie das längste Winzerfest am Rhein, das Jazz-Festival „Bingen swingt“ oder das Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen“ machen eine Reise nach Bingen unvergesslich.
