Gürzenich
Der Gürzenich, das traditionsreiche Kölner Festhaus unweit des Heumarkts, gehört zusammen mit dem Rathaus und dem Overstolzenhaus zu einer Gruppe bedeutender mittelalterlicher Profanbauten innerhalb Kölns. Als Veranstaltungsort für Feste, Empfänge und Versammlungen aller Art bildete der Gürzenich über die Jahrhunderte hinweg die Kulisse für einen gewichtigen Teil Kölner Stadtgeschichte.
Als städtisches Festhaus erbaute man den Gürzenich in den Jahren von 1441 bis 1447 auf einem Grundstück der Kölner Patrizierfamilie von Gürzenich, die dem Gebäude den Namen gab. Der Festsaal des Gürzenich bot nicht nur den öffentlichen oder privaten Festlichkeiten Kölner Bürger Raum, sondern diente ebenso zum Empfang von Ehrengästen der Stadt. So luden hier Kaiser wie Friedrich III., Maximilian I. oder Karl V. zu prächtigen Empfängen oder hielten etwa in den Jahren 1505 und 1531 sogar Reichstage im Gürzenich ab. In der Folgezeit schlief das städtische Festwesen weitgehend ein, sodass man das Gebäude zwischenzeitlich sogar als Kaufhaus nutzte. Erst ab den 1820er Jahren wurde es wieder zum Fest- und Veranstaltungsort der Stadt und blieb dies als „gute Stube Kölns“ auch bis zum heutigen Tage. Mitte des 19. Jahrhunderts kam ein Anbau hinzu und man ersetzte den spätgotischen durch einen dreischiffigen Festsaal in historistischem Gewand. Von dieser Zeit an diente er bis weit ins letzte Jahrhundert hinein als Konzertsaal, sodass das renommierte Gürzenich-Orchester sowie der Gürzenich-Saal ihn noch heute im Namen tragen. Von 1875 bis 1922 war hier im Erdgeschoss die Kölner Börse untergebracht. Nach fast vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde der Gürzenich in den Jahren von 1952 bis 1955 durch Rudolf Schwarz und Karl Band wiederhergerichtet und mit zeitgemäßer Innenarchitektur versehen. Die benachbarte Kirche Alt St. Alban blieb dagegen in ihrem zerstörten Zustand belassen und ist seitdem Gedenkstätte für die Kölner Kriegstoten. Nach weiteren Modernisierungsmaßnahmen und dem Ausbau zum modernen Veranstaltungszentrum, sorgt heute vor allem ein gläserner Aufzug an der Südseite des Gürzenich für ein markantes Erscheinungsbild.
Auch heute kann der Besucher die besondere Atmosphäre und Architektur des Gürzenich im Rahmen der vielen Veranstaltungen, wie den offiziellen Stadtempfängen oder den zahlreichen Karnevalssitzungen, die hier heute wie damals stattfinden, erfahren. So tagten hier beispielsweise im Jahre 1999 auch die Teilnehmer des EU- und Weltwirtschaftsgipfels.
Gürzenich Martinstraße 29-37 50667 Köln
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