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Architektur in Köln

Historisches Rathaus

Das historische Rathaus bildet zusammen mit dem Rathausturm sowie dem angrenzenden Spanischen Bau den Kölner Rathauskomplex. Das in unmittelbarer Nähe zum Alter Markt liegende Gebäude ist mit einer bis ins 12. Jahrhundert zurückreichenden Baugeschichte das vermutlich älteste mittelalterliche Rathaus überhaupt. Damals wie heute ist es als Sitz des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung repräsentatives Zentrum des politischen Lebens in Köln.

Der früheste Bau ist urkundlich bereits aus der Mitte des 12. Jahrhundert belegt, wobei es sich wohl um ein zweigeschossiges romanisches Gebäude handelte, das sich zum damaligen Zeitpunkt im Kölner Judenviertel befand. Um 1330 wich das bisherige Gebäude einem gotischen Saalbau, in dessen Obergeschoss der noch heute erhaltene Hansasaal lag. Der 61 Meter hohe Rathausturm wurde in den Jahren 1407 bis 1414 als Ausdruck bürgerlichen Selbstbewusstseins, insbesondere nach der Machtübernahme der Gaffeln im Jahre 1396, an der Nordseite des Rathauses errichtet. Weiteres Monument bürgerlicher Repräsentation war dann der in den Jahren 1569 bis 1573 im Renaissancestil erbaute zweigeschossige Rathausvorbau, der heute als „Rathauslaube“ bekannt ist und ebenso wie schon der Turm von flämischen Vorbildern inspiriert war. Ebenfalls während des 16. Jahrhunderts folgte der arkadengesäumte „Löwenhof“ sowie ein weiteres Gebäude schräg gegenüber dem Rathausturm, das späterhin als Spanischer Bau bezeichnet wurde und heute unter anderem den Sitzungssaal des Stadtrates beherbergt. Nach nahezu vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg konnten große Teile des Rathauses in teils veränderter Gestalt wiederaufgebaut werden.

Innerhalb des gewachsenen Kölner Rathausensembles gibt es viele Schätze und Orte von besonderem historischen oder künstlerischem Wert zu entdecken: Der gotisch überwölbte Hansasaal weist an seiner südlichen Stirnseite mit den „Neun guten Helden“ eine beeindruckendes gotisches Skulpturenensemble auf. Aber auch in anderen Teilen des historischen Rathauses, wo sich heute eine moderne Innenarchitektur in die gotischen Gebäudeteile integriert, lassen sich alte und neuere Kunstwerke bestaunen: Eine Nachbildung des Altars der Kölner Stadtpatrone von Stefan Lochner im Foyer oder ein schwebender Baldachin des zeitgenössischen Künstlers Hann Trier in der Piazetta, dem modernen Innenhof des Rathauses. Der Rathausturm erhielt über die letzten Jahrzehnte hinweg ein neues Figurenprogramm, das auf den verschiedenen Geschossen nun Schutzheilige und bedeutende Persönlichkeiten der Kölner Stadtgeschichte zeigt.



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    Kölner Rathaus

    Autor: Kier, Hiltrud

    ca. 12.518 Zeichen

    Das Kölner Rathaus ist kein Einzelbau, sondern besteht aus mehreren im Laufe der Jahrhunderte gewa ... Ganzen Text lesen

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    Das Kölner Rathaus ist kein Einzelbau, sondern besteht aus mehreren im Laufe der Jahrhunderte gewachsenen Gebäuden, die sich um den Rathausplatz als Innenhof gruppieren. Seine Keimzelle ist das zwischen 1135 und 1152 erstmals genannte »Haus, in dem die Bürger zusammenkommen« (»domus in quam cives conveniunt«). Es entstand im Judenviertel (»domus civium inter iudeos sita«). Dieses romanische Bürgerhaus der ersten Hälfte des 12. Jh. hatte bereits dieselben Ausmaße wie der überkommene Hansasaalbau des Rathauses aus
    dem 14. Jh.: Ein langgestreckter zweigeschossiger Bau, dessen Rückwand auf der rheinseitigen römischen Stadtmauer gründet und dessen Hauptseite mit dem Eingang zur schmalen Judengasse lag, die dann zum Teil Bürgerstraße genannt wurde. Die Herleitung dieses langgestreckten Saalbaus von etwa 7 mal 29 Meter von den in der Proportion ähnlichen Saalbauten kaiserlicher Pfalzen erscheint naheliegend. Die Bezeichnung Hansasaal für den großen Obergeschossraum bezieht sich auf die Überlieferung, dass hier 1367 die Hansestädte getagt und den Krieg gegen den dänischen König beschlossen hatten – ein Krieg, an dem sich Köln aber nicht beteiligte. Beherrschendes Gliederungselement des spitztonnengewölbten Raumes aus der ersten Hälfte des 14. Jh. sind die beiden reich geschmückten Giebelwände: Die Nordwand mit einer überaus aufwändigen Maßwerkverzierung, die vermutlich sogar in der Ausführung der Dombauhütte zugeschrieben werden kann, und die Südwand mit ihrem ikonografisch überaus interessanten Figurenprogramm. In Fialennischen stehen die lebensgroßen Standbilder der Neun Guten Helden als Symbole der Gerechtigkeit. Es sind (von rechts nach links) Alexander der Große, Hektor von Troja und Julius Cäsar aus der heidnischen Antike, dann Judas Maccabäus, König David und Josua des Alten Testamentes, sowie Gottfried von Bouillon, König Artus und Karl der Große als Vertreter der Christenheit. Diese Krieger galten zumindest im Mittelalter als vorbildliche Idealgestalten. Die um 1330 angesetzten hochgotischen Figuren gehören in ihrer Ausdrucksstärke und mit der eleganten Schwingung, die ihren Standort zwischen den Sockeln und den abgestuft in den Giebel ragenden Baldachinen homogen betont, zu den besten Arbeiten deutscher Skulptur in dieser Zeit. Die Herkunft der Gesamtkomposition mit übereck gestellten maßwerkgeschmückten hohen Sockeln und fialenartigen Baldachinen von kirchlichen Figurenportalen ist dabei klar erkennbar. In den drei Nischen der Giebelspitze finden sich seitlich die Personifizierungen der wichtigsten Kölner Privilegien: das Recht zur Befestigung der Stadt mit einer Stadtmauer als Voraussetzung von Sicherheit und Handel und das Stapelrecht von 1259, das den Standortvorteil von Köln am Rhein durch den Zwang für alle vorbeifahrenden Handelsschiffe, ihre Waren hier drei Tage lang anzubieten, enorm stärkte. In der mittleren Nische sitzt demgemäß die Figur jenes Herrschers, der diese Privilegien gerade aktuell bestätigt hatte: Kaiser Ludwig IV. der Bayer (1314–47). Die Geschlossenheit des langen Raumes wird an den Längswänden durch die Maßwerkgliederungen für einst farbfrohe Fenster oder als Rahmung ehemals hier vorhandener figürlicher Szenen (jetzt im Wallraf-Richartz-Museum) geschmückt, wie überhaupt der gesamte Saal und sein Figurenschmuck im Mittelalter farbig gefasst waren. Nach starker Beschädigung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut, präsentiert er sich heute in jener purifizierten Weise, die auch den mittelalterlichen Kirchen zuteil wurde und die schon die Rathausrenovierung der 1930er-Jahre begonnen hatte. Das Intarsienportal zur nördlich anschließenden Prophetenkammer wurde um 1600 von Melchior von Reidt für das Zeughaus geschaffen, 1875 ins Rathaus gebracht und nach dem Zweiten Weltkrieg hier eingebaut. Die Holzfiguren der Propheten an der Nordseite des Hansasaales wurden 1410/20 für die Prophetenkammer geschaffen und erst nach dem Zweiten Weltkrieg hier aufgestellt. Ihre Schriftbänder enthalten moralische Aufforderungen an die Ratsmitglieder, wie z. B. »Gemeinwohl geht vor Eigennutz«. Die im 12. Jh. im Judenviertel erfolgte Gründung des Rathauses hatte für diese Bevölkerungsgruppe eine ausgesprochene Sprengwirkung im wahrsten Sinne des Wortes. Die periodisch veranstalteten Judenpogrome fanden auch in Köln statt, wo sie gleichzeitig den Erweiterungsbedürfnissen des Rathauses eine makabre Grundlage gaben. So entstand nach dem Pogrom von 1349 anstelle abgebrochener jüdischer Häuser der Rathausplatz, der die Möglichkeit einer ersten Rathausvorhalle bot. 1407–14 entstand der Ratsturm, ein mehrgeschossiges mittelalterliches »Hochhaus« (zum Platz-Jabbeck  Alter Markt). Dieser wiederaufgebaute gotische Turmbau mit maßwerk- und figurengeschmücktem Äußeren bot im Inneren große Räume für den Weinkeller und die Waffensammlung – vor allem aber im ersten Obergeschoss für einen neuen Ratssaal, seit etwa 1930 Senatssaal genannt, dessen quadratischer Grundriss gegenüber dem Hansasaal akustisch günstiger war. 1597–1602 erhielt der Senatssaal eine Neuausstattung mit einer geometrisch gestalteten Stuckdecke, einer prächtig intarsierten Prunktür und ebenso gearbeitetem Ratsgestühl, über dem Gobelins die Wände zierten, während an der Stirnwand ein Bild des Gekreuzigten von Geldorp Gortzius die Sitzungen des Stadtrates dominierte. Die von Melchior von Reidt geschaffenen Intarsienarbeiten
    zeichnen sich dabei nicht nur durch die Qualität der künstlerischen Ausführung aus, sondern stellen in ihrem figürlichen Programm die Verherrlichung der eigenen Geschichte und die Bekräftigung der Reichstreue der Stadt dar. Das Gestühl, das aus mehreren kastenförmigen Bänken mit Rücklehnen besteht, ist insbesondere mit vielfältigen Ornamenten in Einlegearbeit aus mehrfarbigen Edelhölzern gestaltet. Die seitlichen Wangen der mehrfach veränderten Bänke sind mit figürlichen Darstellungen geschmückt, von denen vor allem zwei als ehemalige Gegenstücke einer Bank anzusehen sind. Sie zeigen, eingestellt in eine Arkade, je einen durchaus phantasievoll gerüsteten Krieger mit dem Kölner Banner vor Versatzstücken von Architekturdarstellungen, die Eindrücke der Kölner Stadtmauer ahnen lassen. Es sind der Stadtgründer Agrippa und der römische Volksheld Marsilius, die als historisch-mythische Helden aus der Kölner Gründungsgeschichte auch die Portale des Gürzenich schmücken. Der Senatssaal war vom Hansasaal zunächst noch durch ein jüdisches Wohnhaus getrennt. Erst nach der Vertreibung von 1424, die den Juden »auf ewige Zeiten« den Aufenthalt in der Stadt verbot, konnte mit der Prophetenkammer ein Verbindungsbau geschaffen werden. Diese Judenvertreibung brachte auch die Umwidmung der Synagoge zu einer Ratskapelle, die das Patrozinium »St. Maria in Jerusalem« erhielt. Es versteht sich von selbst, dass damit nicht die Erinnerung an das Judenviertel im positiven Sinne wachgehalten, sondern der endgültige Sieg der Christen über die Juden dokumentiert werden sollte. Erst nach der Besetzung durch die französischen Revolutions truppen 1794 kehrte in Köln die Duldung anderer Religionen ein. Der Zweite Weltkrieg zerstörte die Ratskapelle, deren wichtigstes Ausstattungsstück bis 1809 der »Altar der Stadtpatrone« war (Dom). Die hier zusammen mit den Ausgrabungen des Prätoriums und der Mikwe entstehende »Archäologische Zone« (Museen) wird den Bauplatz von Synagoge undRatskapelle nicht nur wieder erlebbar machen, sondern in Zusammenhang mit dem geplanten Haus und Museum der jüdischen Kultur (Museen) auch die notwendige Schließung des Rathausplatzes nach Südwesten bringen. Dies ist v. a. auch als Rahmung der Rathauslaube, des wichtigsten Kölner Renaissance- Bauwerks, von entscheidender Bedeutung. Als neuer Zugang zum großen Ratssaal (Hansasaal) entstand 1569–73 von Wilhelm Vernucken dieser repräsentative Neubau, im Wesentlichen nach den 1557 entstandenen Entwürfen von Cornelis Floris. Der zweischiffige fünfjochige Bau mit Betonung der Mittelachse ist bewusst aus der Achse des Hansasaalbaus so verschoben, dass seine Ausrichtung auf die zum Rathausplatz führende Portalsgasse voll zur Wirkung kommt. Dabei sind die Proportionen der Arkaden so sehr in absolutem Bezug zum dahinter aufsteigenden Saalbaudach entwickelt, dass beim Blick durch die schmale Portalsgasse der Eindruck eines wesentlich größeren, sich nach beiden Seiten fortsetzenden Renaissancebaus entstand. Erst beim Betreten des Rathausplatzes war das volle Erfassen dieses architektonischen Schmuckstückes mit seiner maßstäblichen Einbindung in die Proportionen des Platzes möglich – ein sicher beabsichtigter Überraschungseffekt, der mit der bevorstehenden Schließung des Platzes wieder entstehen wird. Diesem formalen Bezug zwischen Rathauslaube und Platz entsprach ein ebenso gewichtiger inhaltlicher: Von ihrem Obergeschoss aus, das 1617/18 gewölbt wurde, verkündete der ältere Bürgermeister in Anwesenheit der Ratsherren die Ratsbeschlüsse in der sogenannten »Morgensprache« dem auf dem Platz versammelten Volk – ein Geschehen, das der in den Kirchen üblichen Verkündigung des Gotteswortes vom Lettner an die im Langhaus versammelte Gemeinde entspricht und sicher davon abgeleitet ist. So nimmt es auch nicht wunder, dass die Kölner Rathauslaube bis ins 18. Jh. mitunter als »Doxal« bezeichnet wurde, dem zusätzlichen Begriff für den kirchlichen Lettner, der seine Ableitung von der Doxologie, dem Lobpreis des Herrn, hat. Zusätzlich war die Rathauslaube als zentraler Blickpunkt und als Eingang zum Hansasaal Trägerin wichtiger inhaltlicher Botschaften. Die bekrönende Justitia war einst noch über dem Giebel vom freistehenden Standbild des »Kölner Bauern«, dem Symbol der Reichstreue der Stadt, überragt, während in den Brüstungsfeldern das mittlere Relief den Kampf des Bürgermeisters Grin mit dem Löwen enthält, der auch am Vorgängerbau des 14. Jh. bereits dargestellt war. Dieser legendäre Löwenkampf, aus dem der Kölner Bürgermeister selbstredend als Sieger hervorging, symbolisiert das für das städtische Selbstverständnis so zentrale Ringen um die Macht zwischen Erzbischof und Stadt. Es wird begleitet von den themenverwandten alttestamentlichen Szenen mit Samson und Daniel, die ebenfalls ihre Begegnungen mit Löwen siegreich überstanden. In den dazwischenliegenden Inschriftfeldern und den darunter angebrachten Bildnismedaillons wird ausführlich Bezug genommen auf die glorreiche Geschichte der Stadt seit der Zeit Julius Cäsars, natürlich wird auch die Reichsfreiheit gebührend betont. Der bewusste Rückgriff auf die antike Tradition im Bildprogramm der Rathauslaube macht sie zusammen mit den klassischen Arkadenformen und den zugehörigen Schmuckelementen zum wichtigsten Kunstwerk der Renaissance in Köln. Im 19. Jh. stark übergangen und erneuert, blieb die Laube im Zweiten Weltkrieg zum Glück fast unversehrt. An der Nordwestseite des Rathausplatzes war 1608–15 ein neuer zweigeschossiger Verwaltungsbau entstanden, der im 19. Jh. den Namen Spanischer Bau nach den 1623 hier stattgefundenen Sitzungen der Spanischen Liga erhielt. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde er durch einen neuen Backsteinbau (1954–56 von Theodor Teichen) ersetzt, der die Proportion des alten Baus aufnahm und in schlicht-konservative Stilformen der 1950er- Jahre übertrug. Im Inneren ist die zeittypische Ausstattung weitgehend erhalten. Im elegant geschwungenen Treppenhaus ist das große Geschichtsfenster von Georg Meistermann (1958) zu sehen. Im nun überdachten Innenhof steht das aktuelle Stadtmodell. Der Alter-Markt-Bau des Rathauses wurde 1966–72 von Karl Band und Eugen Weiler in den zeittypisch wuchtigen Formen errichtet. Nur zwei Festsäle nehmen darin mit ihren Namen Bezug auf die einstigen Barockausstattungen von Muschelsaal und Weißer Saal. Im Inneren bildet die als Lichthof angelegte zentrale Rathaushalle, die Piazzetta, mit großer Freitreppe und dem Baldachin von Hann Trier (1980) das Bindeglied zu Hansasaal, Ratsturm und Löwenhof (rekonstruierter Arkadenhof von 1541; Reliefs, u. a. Löwenkampf des Bürgermeisters Grin, nach Gipsabgüssen, die vor der Zerstörung gemacht wurden). Vor der Rathauslaube verlegte Gunter Demnig einen seiner Stolpersteine, mit denen er die Menschen auch im gesamten Stadtgebiet von Köln ganz konkret und dauerhaft über den Völkermord im Dritten Reich stolpern lässt.

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Historisches Rathaus

Historisches Rathaus Portalsgasse 50667 Köln
+49 221–2210

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