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Dom St. Peter und Maria (Domkloster 4), Bischofskirche: fünfschiffige gotisch-neugotische Basilika mit Doppelturmfassade, dreischiffigem Querhaus mit Vierungsturm und fünfschiffigem Chor mit Kapellenkranz, 1248 begonnen und nach jahrhundertelanger Bauunterbrechung erst 1880 mit Verwendung der mittelalterlichen Originalpläne vollendet.
Planung und Beginn dieses gotischen Monumentalbaus sind Folge des »Erwerbs« der Reliquien der Hll. Drei Könige, die Erzbischof Rainald von Dassel für seine erfolgreiche Beteiligung an der Eroberung Mailands von Kaiser Friedrich Barbarossa als Kriegsbeute erhielt und 1164 aus der Mailänder Kirche Sant’Eustorgio nach Köln überführen ließ.
Gerne wird angenommen, dass in der Nordostecke des römischen Köln seit jeher die Kirche des Bischofs war, der namentlich erstmals 313 und 314 genannt wurde: Maternus. Von einem frühchristlichen Bau hat sich im Dionysoshof östlich des heutigen Domchors das durch ein Gitter sichtbare Taufbecken (erneuert vermutlich im 6. Jh.) von einer Taufkapelle erhalten. In der Domschatzkammer sind die reichen Grabbeigaben von zwei um 540 begrabenen fürstlichen Franken zu sehen. Der sogenannte Alte Dom, der Vorgängerbau des heutigen Domes, war eine wohl 873 geweihte dreischiffige Basilika mit zwei Querhäusern und einem westlich anschließenden Atrium. Die Ausgrabungen v. a. dieses Baus sind in speziellen Führungen zu besichtigen. In der Tiefgarage vor dem Dom (Eingang neben der U-Bahn-Treppe) kann man den Atriumsbrunnen des
Alten Domes sehen. Hier befinden sich auch Teile der römischen Stadtmauer, der Fundamente des Nordtores sowie der Annostollen – jener Fluchtweg, den Erzbischof Anno 1074 bei seiner Flucht vor den rebellierenden Kölner Bürgern aus dem Dom und der Stadt nutzte. Am 15.
August 1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für den Bau des gotischen Domes. Der Neubau des Domes ergab sich aus der nach damaligen Begriffen notwendig gewordenen angemessenen architektonischen Fassung der Reliquien der Hll. Drei Könige, die sich seit 1164 in Köln befanden und das Ziel großer Pilgerscharen waren. Der Dom wurde nach einem einheitlichen Plan errichtet, der bis zur Vollendung 1880 im Wesentlichen beibehalten wurde. Dies führte zur beispiellosen Einheitlichkeit dieses Höhepunktes gotischer Kathedralarchitektur. Als Schöpfer des genialen Planes gilt Meister Gerhard, der erste namentlich bekannte Dombaumeister. Ihm wird nicht nur der Grundriss des fünfschiffigen Baus mit dreischiffigem Querhaus und Umgangschor mit sieben gleichartigen Kapellen zugeschrieben, sondern auch die Grundkonzeption, nach der dann von Dombaumeister Arnold um 1285 der berühmte und erhaltene große Fassadenplan F der doppeltürmigen Westfassade ausgeführt wurde. Trotz aller Bezüge in Planung und Ausführung des Kölner Domes auf die französischen Vorbilder – wie vor allem die Kathedrale in Amiens, aber auch die in Troyes oder Bourges – gibt es sowohl in der überaus klaren und ebenmäßigen Grundrissform, als auch in zahlreichen wichtigen Bauformen völlig eigenständige, innovative Entwicklungen. Als Beispiel seien nur die bereits im Fassadenplan durchbrochenen Turmhelme genannt, für die es in der Architektur bis dahin keine Vorbilder gab. Ihre Form wurde möglicherweise von Werken der Goldschmiedekunst wie etwa Reliquiaren abgeleitet, zumal der gesamte Domneubau als »Reliquiar« insbesondere für die Gebeine der Hll. Drei Könige gedacht war. Um die zu ihnen drängenden Pilgerströme optimal zu lenken, sollte der Dreikönigenschrein zentral in der Vierung, die nach außen mit einem Vierungsturm markiert wurde, aufgestellt werden. Das im abgeschrankten Hochchor residierende Domkapitel hätte so in seinem Chorgestühl von den Pilgerscharen unbehelligt bleiben können. Der Bau war mit dem Chor begonnen worden, dessen Weihe 1322 erfolgte. Bereits 1304 war an der Ostseite der Vierung die Trennwand zum Westteil des Alten Domes, der bis zu seinem endgültigen Abbruch 1325/30 weiterhin genutzt wurde, errichtet worden. Der weitere Baufortschritt erbrachte im Laufe des 14. Jh. die Südseite des Langhauses und den Beginn des Südturmes, während die Nordseite mit dem Nordturm im 15. Jh. begonnen wurde, wie an den spätgotischen Details insbesondere am Außenbau gut abzulesen ist. Als nach zunehmend stockendem Bauverlauf schließlich nach 1528 die Arbeiten eingestellt wurden, waren die bis ungefähr zu den Erdgeschosskapitellen fertiggestellten Bereiche des Lang- und Querhauses mit Notdächern versehen, so dass fast die gesamte Fläche des Domes genutzt werden konnte. Vom Nordturm stand
im Wesentlichen das Erdgeschoss, vom Südturm ein Geschoss mehr, in dem bereits seit der Mitte des 15. Jh. die berühmten Glocken Pretiosa und Speciosa hingen. Der stehengebliebene Baukran auf dem Südturm ragte aus dem Notdach und wurde zum Wahrzeichen, das auch durch
die nächsten Jahrhunderte die Erinnerung an den erwünschten Weiterbau wachhielt. Erst 1868 wurde er zur Fertigstellung des Turmes abgebaut. Eine ungeklärte Frage in der Bauchronologie des Domes ist aber, warum nach der Fertigstellung des Chores inklusive östlichem Seitenschiff
des Querhauses im Mittelalter nicht zügig am Querhaus mit der liturgisch so bedeutsam gedachten Vierung und am Langhaus weitergebaut wurde und stattdessen der Ausbau der Westtürme vorgezogen wurde. So blieb der Dreikönigenschrein, der 1322 aus dem Alten Dom für eine wohl vorübergehend gedachte Aufstellung in die Achskapelle des Chores gebracht wurde, schließlich dort. Auch nach der Fertigstellung des Domes im 19. Jh. kam er nicht in die Vierung. Der 1322 geweihte, aber wohl schon 1304 fertiggestellte Chor zeigt im Inneren den dreigeschossigen Aufbau des hochgotischen Kathedralsystems mit sehr schmalen hohen Arkaden, durchfenstertem Triforium und ebenfalls außerordentlich hohen Obergadenfenstern, über denen sich das Gewölbe in seinem eleganten Linienfluss der auf Diensten ruhenden Rippen erhebt. Um dieses überaus harmonische »Glashaus« mit seiner fast völligen Wandauflösung in dieser Höhenentwicklung statisch zu ermöglichen, wurde im Äußeren ein kompliziertes System von Strebepfeilern und -bögen konstruiert, das den Gewölbeschub gezielt auffängt. Mit einer Fülle an Schmuckformen versehen, lässt es vergessen, dass es in erster Linie ein Konstruktionsgerüst ist, das dem Innenraum
zu seiner überirdisch wirkenden Schwerelosigkeit verhilft. Die weitgehend erhaltene originale Ausstattung des Chores verstärkt diesen Eindruck noch. Vor allem der Hochchor mit seinen Ende des 13. bis Anfang des 14. Jh. entstandenen Kunstwerken ist trotz mancher späterer Verluste das geschlossenste Ensemble, das Köln aus dem Mittelalter aufzuweisen hat. Verständlich scheint es daher, dass man dafür gerne eine Gesamtkonzeption annehmen möchte. Die Fenster des Hochchorobergadens zeigen in der Mitte die Darstellung von Maria mit dem Kind, das
die Hll. Drei Könige anbeten, begleitet von einer »Königsgalerie« von Standfiguren, die Richtung Vierung gewendet sind, wo der Dreikönigenschrein aufgestellt werden sollte. Sie werden als die 24 Ältesten der Apokalypse und die 24 Könige Judas angesehen. Darunter, an den Pfeilern der Arkadenzone, sind die elegant geschwungenen Skulpturen der Zwölf Apostel versammelt, die sich in jugendlicher Idealisierung den Figuren von Christus und Maria zuwenden. Sie alle stehen auf blattgeschmückten Konsolen und sind von wunderbaren Baldachinen geschützt, deren Bekrönung ein Orchester musizierender Engel bildet. Mit dieser überaus qualitätsvollen Gruppe beginnt in Köln um 1280/90 die gotische Skulptur, die ebenso wie die Glas- und Wandmalerei dem höfischen Stil Frankreichs verpflichtet ist. Die Ausstattung des Chorbereichs wird im Chorgestühl und den dahinter aufragenden Chorschranken konsequent fortgesetzt. Das mit 104 Sitzen größte Gestühl in Deutschland für den Dompropst, die 24 Mitglieder des Domkapitels mit Vertretern, Domvikaren und Gästen, hat an besonders prominenter Stelle im Osten je einen Sitz für den Kaiser (Südseite) und für den Papst (Nordseite), die als Ehrenmitglieder des Kölner Kapitels dessen politischen und geistlichen Anspruch dokumentieren. Die gemauerten Chorschranken hinter dem bereits 1308–11 geschnitzten Gestühl wurden kurze Zeit nach der Chorweihe mit Bildern geschmückt (1330/40), die den künstlerisch herausragenden Beginn der berühmten gotischen Malerei von Köln darstellen. Neben der erkennbaren Kontinuität der Buchmalerei zeigen sie vor allem Einflüsse aus Italien, England und Frankreich. In gemalten Arkaturen sind u. a. Szenen aus dem Leben der Gottesmutter, der Hll. Drei Könige, der hll. Petrus und Paulus, des Kaisers Konstantin und seiner Mutter Helena dargestellt. Darunter befinden sich aufgereiht die römischen und deutschen Kaiser und Könige, beginnend über dem Sitz des Kaisers mit Cäsar, und die Kölner Bischöfe und Erzbischöfe, beginnend über dem Sitz des Papstes mit dem 313/314 erstgenannten Kölner Bischof Maternus. Der Hochaltar im Chorhaupt, an dem 1322 die Weihe vollzogen wurde, ist mit seinen figürlichen Darstellungen dem Marienleben gewidmet, zu dessen Hauptszenen auch hier die Anbetung der Hll. Drei Könige (an der Ostseite) gehört. Im Mittelalter war östlich des Hauptaltares der Sitz des Erzbischofs, während seit 1948 hier der Dreikönigenschrein steht. Von der Barockausstattung des Chores, die
beim Weiterbau im 19. Jh. entfernt wurde, sind im Dom noch einige wichtige Teile zu sehen: u. a. im Nordquerhaus als Dreikönigenaltar die Front des 1668–83 von Heribert Neuß für die Achskapelle geschaffenen Mausoleums, in dem bis 1864 der Dreikönigenschrein stand; das 1769
geschaffene schmiedeeiserne Gitter des Chores, das die steinernen mittelalterlichen Maßwerkschranken ersetzte; in der Marienkapelle einige barocke Epitaphien. 1794 wurde der Dom von den französischen Revolutionstruppen als Korn- und Futtermagazin profaniert. Nach der Verlegung
des Bistums 1802 nach Aachen nutzte man ihn ab 1803 als Pfarrkirche, bis 1821 der Sitz des Bistums wieder nach Köln zurückkehrte. Aus der Umbruchstimmung der Zeit um 1800, in der die mittelalterliche »altdeutsche« Welt auch als Ausgangspunkt der eigenen moralischen und künstlerischen Erneuerung betrachtet wurde, entwickelten sich die Visionen und Pläne zum Weiterbau des unvollendeten Kölner Doms – ein Weiterbau, der vor allem in Friedrich Schlegel, den Brüdern Boisserée, Johann Wolfgang Goethe und dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (IV.) entschiedene und tatkräftige Befürworter und Förderer hatte. Dabei spielten zwei Umstände als Triebkraft eine große Rolle: der Dom als Nationaldenkmal und als Denkmal altdeutscher Baukunst. Joseph Görres hatte vielen aus der Seele gesprochen, als er 1814 im Rheinischen Merkur seinen berühmten Aufruf zur Vollendung des Domes veröffentlichte und dabei betonte: »In seiner trümmerhaften
Unvollendung, in seiner Verlassenheit ist es ein Bild gewesen von Teutschland seit der Sprach- und Gedanken-Verwirrung; so werde es denn auch ein Symbol des neuen Reiches, das wir bauen wollen.« Es war also insbesondere die Propagierung des Kölner Domes als Nationaldenkmal und die Beschwörung der Deutschen Reichsidee, die dem Vorhaben in seinem nationalen Anliegen gegen die Besatzungsmacht Frankreich zur Schubkraft verhalf. Noch war die Tatsache, dass die gotische Baukunst ausgerechnet französischen Ursprungs ist, nicht öffentlich bekannt. So kam es unter Anteilnahme und Mithilfe von ganz Deutschland, ob katholisch oder evangelisch, zur Vollendung.
Sicher hätte es insgesamt auch keine so umfassende Neugotik gegeben, wenn nicht der Weiterbau des gotischen Kölner Domes ein so breites Anliegen gewesen wäre. Am 4. September 1842 erfolgte durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. am Südquerhaus feierlich die Grundsteinlegung zum Weiterbau. Da es für die Querhausfassaden keine mittelalterlichen Vorlagen gibt, gestaltete sie Ernst Friedrich Zwirner (1802–1861), der seit 1833 Dombaumeister war, nach dem Vorbild des 1814 und 1816 wiederaufgefundenen mittelalterlichen Plans der
Westfassade. Der preußische Oberlandesbaudirektor Karl Friedrich Schinkel, dessen oberster Bauaufsicht auch der Kölner Dom unterstand, hatte zuvor einen Ausbauvorschlag gemacht, der bei Verzicht auf die Strebepfeiler und die Türme eine Bauzeit von nur zwölf Jahren und Kosten
von 1,2 Millionen Talern projektierte. Es ist anzunehmen, dass es Schinkel dabei nicht nur auf die Überschaubarkeit von Zeit und Geld ankam, sondern dass der ohne Strebewerk und Türme strengere und geschlossenere Baukörper seinem klassizistischen Stilempfinden wesentlich näher gekommen wäre. Der so wichtige Kölner Dombauverein mit August Reichensperger als treibender Kraft setzte sich zusammen mit Dombaumeister Zwirner beim König mit der Forderung nach dem »ursprünglichen Plan« durch, dessen Ausführung wesentlich mehr kostete und mehr als dreimal solange dauerte. 1855 waren die Querhausfassaden vollendet. Vor allem die Südquerhausfassade ist eines der bedeutendsten und künstlerisch vollkommensten Werke der Neugotik, das Arnold Wolff so treffend als »klassizistisch in der Strenge und Konsequenz der architektonischen Entwicklung, romantisch in der Wahl des stilistischen Vorbildes« charakterisiert. Im Gegensatz zur Westfassade ist die größere Flächigkeit der Südfassade ebenso zu erkennen wie das Bestreben, Überschneidungen möglichst zu vermeiden und so die große Harmonie des Entwurfs zu betonen. Seine städtebauliche Wirkung mit der Hinwendung zur Stadtseite und dem seit dem Mittelalter hier im Süden des Domes sich erstreckenden (Roncalli-)Platz ist allzeit faszinierend. Die Fassade des Nordquerhauses ist bei gleicher Grundstruktur etwas schlichter gehalten. Das Langhaus war 1863 fertiggestellt und so konnte endlich die Wand fallen, die jahrhundertelang den Chor abgetrennt hatte. Die Türme und damit die Westfassade waren mit dem 1880 vollendeten Dom fertiggestellt. [...]
Bedeutende Ausstattungsstücke:
Der Dreikönigenschrein im Hochchor ist der größte mittelalterliche Schrein, entstanden nach 1190 bis um 1220. Er hat die Form einer dreischiffigen Basilika, bzw. besteht aus drei übereinander gestellten Schreinen. In ihm ruhen die 1164 nach Köln gebrachten Reliquien der Hll. Drei Könige sowie der hll. Felix und Nabor. Der um 1190 entstandene Holzkern ist mit einem aufwändigen Figurenprogramm aus vergoldetem Silber verkleidet. In den Kleeblattarkaden des Erdgeschosses sind die Sitzfiguren der Propheten vom Ende des 12. Jh., die Nikolaus von Verdun zugeschrieben werden, während die darüber dargestellten Apostel als Arbeiten seiner Werkstatt gelten. An der Stirnseite (um 1200) befindet sich die Anbetung der Hll. Drei Könige, zu denen sich König Otto IV. gesellt, sowie die Taufe im Jordan und Christus als Weltenrichter. An der Rückseite (um 1220) sind Geißelung und Kreuzigung Christi zu sehen und die von Christus gekrönten Märtyrer Felix und Nabor sowie im Dreieck dazwischen die Büste des Erzbischofs Rainald von Dassel, des Überbringers der kostbaren Reliquien.
Das Gerokreuz in der Kreuzkapelle (um 970) ist die älteste bekannte und erhaltene monumentale Darstellung des Gekreuzigten. Christus ist hier als Toter wiedergegeben. Sein Kopf ist seitlich auf die Brust gesunken, der Körper hängt schwer an den sichtlich gezerrten Armen, schwingt deshalb seitlich etwas aus und erhält nur durch die fest auf einer konsolenartigen Stütze aufruhenden Füße Halt. Das mit gebrochenen Augen und leicht geöffnetem Mund sehr ausdrucksstark gestaltete Antlitz ist vor allem im 20. Jh. in zahlreichen expressiven Detailaufnahmen verbreitet worden. Als Auftraggeber des Kreuzes ist Erzbischof Gero überliefert, was neuere dendrochronologische Untersuchungen bestätigt haben. Ursprünglich stand es im Alten Dom in der Mitte der Kirche beim Grab dieses Erzbischofs, dessen Grabplatte aus verschiedenfarbigem Marmor und Porphyr in der Stephanuskapelle erhalten ist. Diese prominente Aufstellung im Mittelschiff des Alten Domes, für die bei der Domgrabung auch Spuren zu interpretieren waren, wird für das Gero-Kreuz von den 970er-Jahren bis zum Neubau des gotischen Domes angenommen. Seine späteren Aufstellungen hatten dagegen wohl nie mehr die ursprüngliche Dominanz, auch wenn die Ende des 17. Jh. entstandene barocke Rahmung die weiterhin bestehende Verehrung als Gnadenbild belegen. Unter der letzten Farbschicht von 1904 befinden sich mehrere frühere Fassungen, die ebenfalls die ununterbrochene Wertschätzung und Kultpräsenz dieses frühen Meisterwerks der Kölner Kunstgeschichte belegen, das erfreulicherweise vollständig erhalten ist – auch der Kreuzbalken ist noch original, wie die detaillierten Untersuchungen zeigten. [...]
Der Altar der Stadtpatrone in der Marienkapelle wurde um 1440/45 für die Ratskapelle gemalt. Der große Flügelaltar von Stefan Lochner zeigt in der Mitteltafel vor Goldgrund und unter reichem Maßwerk die thronende Muttergottes mit dem Jesuskind, das die Anbetung der Hll. Drei Könige entgegennimmt. Es wendet sich mit Segensgestus dem links knienden alten König zu, der sein kostbares Geschenk auf den Boden gestellt hat und die Hände betend zu dem Kind erhebt, während der rechts kniende König mittleren Alters seine wertvolle Gabe darbringt und der dahinterstehende jüngere König seinen goldenen Kelch ebenfalls dem Kinde entgegenstreckt. Links und rechts von dieser raumgreifenden Mittelszene, die durch die darüberschwebenden Engel besonders hervorgehoben wird, drängt sich das Gefolge der Könige mit seinen wehenden Fahnen. Auf den Außentafeln wenden sich, ebenfalls vor Goldgrund und unter Maßwerk, links die hl. Ursula mit Ätherius, den Bischöfen und einer unübersehbaren Zahl ihrer jungfräulichen Gefährtinnen dem Mittelbild zu, während auf dem rechten Flügel der hl. Gereon mit seinen Begleitern aus der Thebäischen Legion dieses Geschehen aufmerksam begleitet. Die gesamte Darstellung ist eine politische Demonstration des Besitzanspruches der Stadt Köln an den Reliquien der Hll. Drei Könige gegen den seit 1288 aus Köln vertriebenen Erzbischof. 1372 hatten die Kölner sogar eine Bulle des Papstes erwirkt, die unter Androhung der Exkommunikation verbot, die Gebeine dieser Heiligen zu verkaufen oder sonstwie aus der Stadt zu entfernen. Diese Krönung des Kölner Reliquienschatzes bedeutete im mittelalterlichen Verständnis nicht nur besondere Macht und Sicherung der Stadt, vielmehr war sie vor allem ein Ziel der Pilgerscharen, deren ökonomische Bedeutung für den städtischen Reichtum ganz wesentlich war. Der Altar der Stadtpatrone ist Stefan Lochners bedeutendstes Kunstwerk und der unbestrittene Höhepunkt der mittelalterlichen Malerei in Köln. Stilistisch bildet er die von den Niederlanden beeinflusste Brücke zwischen der Epoche des »Weichen Stils«, dessen Endphase Stefan Lochner bei seiner Ankunft in Köln wohl noch miterlebte und der Entdeckung der Wirklichkeit, wie sie in der zweiten Hälfte des 15. Jh. begann und schließlich mit dem 16. Jh. das allgemeine Kunstschaffen prägte. In den Köpfen der Könige wie in denen ihres Gefolges und der Thebäer kann man ebenso Porträts der führenden Kölner Bürgerschaft und vielleicht Stifter des Altars vermuten, wie in den weiblichen Figuren die Darstellung Kölner Bürgerinnen und ihrer lieblich-handfesten Töchter. Bei geschlossenem Zustand ist die Verkündigungsszene zu sehen. Albrecht Dürer verdanken wir die Kenntnis von Lochners Namen, der auf seiner Reise in die Niederlande 1520/21 in Köln Station machte und die so wichtige Tagebuchnotiz hinterließ: »item hab 2 weißpfennig geben von der Taffel auffzusperren, die maister Steffan zu Cöln gemacht hat«. Dürer nennt zwar weder den Ort noch den Inhalt der »Taffel«, aber die Indizien sprechen doch für den »Altar der Stadtpatrone « in der Ratskapelle. 1809 wurde der für die Stadt so wichtige Altar von Ferdinand Franz Wallraf in den Dom gerettet, um seine Profanierung als Sammlungsobjekt zu verhindern. [...]
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