Schloss Bellevue
Das im nördlichen Tiergarten direkt am Spreeufer gelegene Schloss Bellevue ist heute erster Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten. Das Schloss steht allerdings nicht nur dem Bundespräsidenten und den hier empfangenen Staatsgästen offen. Im Rahmen von Führungen oder zu besonderen Anlässen öffnet Bellevue auch „gewöhnlichen“ Besuchern seine Tore und lädt zum Erkunden der Räumlichkeiten ein.
Prinz August Ferdinand von Preußen, der jüngste Bruder Friedrichs II. des Großen, erwarb 1784 das Grundstück an der Spree, auf dem sich Friedrichs Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Landhaus erbaut hatte. In den Jahren von 1785 bis 1787 ließ er hier unter Einbezug der sogenannten Knobbelsdorffschen Meierei nach Plänen des Architekten Michael Philipp Boumann ein frühklassizistisches Schloss errichten, das er mit seiner Familie bis zu seinem Tod 1813 bewohnte. 1843 kaufte es König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und richtete hier eine bis 1865 bestehende „Vaterländische Galerie“ für zeitgenössische Kunst ein. In der Folge diente es vor allem als Gästehaus oder Wohnsitz für verschiedene Mitglieder der kaiserlichen Familie. Nach dem Übergang in den Besitz des Landes Preußen 1927 wurden manche Gebäudeteile an Privatlaute vermietet oder für Ausstellungen genutzt, bis es 1938/39 zu einem umfassenden Umbau zum repräsentativen Reichsgästehaus kam, der unter anderem den Anbau eines Südflügels sowie die Verlegung des Haupteingangs in das mittlere Risalit des Schlosses umfasste. Während des Zweiten Weltkrieges erlitten insbesondere der Hauptflügel und die Gebäude im Schlosspark schwere Schäden. Noch vor dem endgültigen Wiederaufbau 1959 bestimmte der Bundestag Schloss Bellevue zum zweiten Amtssitz des Bundespräsidenten nach der Villa Hammerschmidt in Bonn. Bis das Schloss 1994 offiziell erster Amtssitz wurde, war es allerdings nur zu wenigen Anlässen genutzt worden. Die im Zuge des Wiederaufbaus in den 1950er vorgenommene zeitgemäße Ausstattung von Bellevue wurde im Rahmen größerer Renovierungs- und Umbauarbeiten in den Jahren 1986/87 bis auf zwei Salons wieder mit der barock-klassizistischen Formensprache des Schlosses harmonisiert. Zuletzt wurden in den Jahren 2004/2005 größere Umgestaltungen und Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen.
Das Schloss dient heute vor allem dem Empfang von Staatsgästen. Außerdem findet sich hier das Arbeitszimmer des Präsidenten, der allerdings selbst nicht mehr in Bellevue wohnt. Einen besonderen Höhepunkt stellt das alljährliche Sommerfest des Bundespräsidenten im Schlossgarten von Bellevue dar, zum mehrere tausend Gäste sowie namhafte Künstler geladen werden. Aber auch wer nicht auf der Gästeliste des Präsidenten steht, kann Bellevue im Rahmen regelmäßiger Führungen besichtigen. Neben den über die vielen Salons verstreuten Kunstwerken gilt es dabei vor allem den 1789/90 von C.G. Langhans entworfenen klassizistischen Ballsaal zu entdecken. Zu langen Spaziergängen lädt dagegen der malerische Schlosspark ein.
Spreeweg 1 10557 Berlin
http://www.bundespraesident.de/Die-Amtssitze/-,11086/Schloss-Bellevue.htm
