Wer das Erbe der Vergangenheit bewahren will, muss manchmal ungewöhnliche Wege gehen. Dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dazu bereit ist, zeigt die vielfältige Arbeit der privaten Stiftung seit ihrer Gründung vor 25 Jahren. Höhepunkt eines jeden Jahres ist der Tag des offenen Denkmals, der seit 1993 von der Stiftung bundesweit koordiniert wird.

Am 12. September 2010 öffnen in ganz Deutschland wieder über 7.500 Denkmale ihre Türen und Tore für mehr als vier Mio. Besucher. Unter dem diesjährigen Motto „Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr“ werden historische Verkehrsmittel und -wege, Bahnhöfe und Hafenanlagen ebenso zu sehen sein wie alte Kaufmannshäuser, Warenlager, Hotels oder Kirchen mit jahrhundertealter Geschichte als Pilgerziel. Um 11 Uhr eröffnet der Schirmherr der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bundespräsident Christian Wulff, in Lüneburg die größte bundesweite von bürgerschaftlichem Engagement getragene Kulturveranstaltung auf dem Marktplatz. Im Anschluss daran erfahren die Besucher in weit über 40 geöffneten Denkmalen im gesamten Stadtgebiet bei Themenführungen, Präsentationen, Ausstellungen und sonstigen Aktionen von Eigentümern und Fachleuten spannende Details aus der Geschichte der Denkmale. Wo Sie in Ihrer Nähe einen Blick in sonst vielleicht verschlossene Denkmale werfen können, erfahren Sie auf
www.tag-des-offenen-denkmals.de
» Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde als private Stiftung 1985 gegründet und ist heute die größte Bürgerinitiative Deutschlands in Sachen Denkmalschutz. «
Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, historische Baudenkmale vor dem Verfall zu bewahren und den Gedanken des Denkmalschutzes in die Öffentlichkeit zu tragen. Das macht auch die aktuelle Jubiläumskampagne „KULTURGUT“ der Stiftung deutlich: Denkt man an Denkmale, kreisen die Gedanken schnell um Schloss Neuschwanstein, das Brandenburger Tor, den
Kölner Dom oder die Semperoper. Dass ein kleines Stück solcher Kulturgüter aber auch im Alltag und in unserer direkten Umgebung steckt, zeigen die sieben Motive der Kampagne. So zum Beispiel eine Schraube, ein Backstein oder eine Steinskulptur.
Die Kampagne soll Denkmalschutz greifbar und erlebbar machen. Dazu können alle Bürger beitragen. Mit verschiedenen Aktionen lädt die Stiftung dazu ein, teilzuhaben an unserem kulturellen Erbe – und das auf ganz neue Weise: zum einen können die Plakate für zuhause bestellt werden, zum anderen kann jeder sein Wunschmotiv als Großflächenplakat an seinem Lieblingsplatz aufhängen lassen – und somit dazu beitragen, dass viele Menschen auf das Thema Denkmalschutz aufmerksam werden. Mehr Infos zur Kampagne finden Sie auf der Internetseite
www.kulturgut-denkmalschutz.de
Möglichst viele Menschen für den Denkmalschutz zu begeistern und zum Mitmachen zu bewegen – das ist eines der Ziele der Stiftung. So engagieren sich über 190.000 Förderer mit Spenden, Zustiftungen und Nachlässen nachhaltig für den Erhalt unseres kulturellen Erbes.
» Es konnten schon über 3.600 Denkmale mit rund 420 Mio. Euro unterstützt werden. «
Nicht selten war das Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Initialzündung für den Start einer Restaurierung oder das Zünglein an der Waage, um einen Finanzierungsplan mit anderen Mittelgebern auf den Weg zu bringen. Zum Tag des offenen Denkmals ruft die Stiftung alle Bürger auf, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten – auf ganz neuem, unkomplizierten Weg: mit einer SMS mit dem Wort KULTURGUT an die 81190 unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung mit 5 Euro.
Mit der Öffnung der innerdeutschen Grenzen und der Wiedervereinigung wuchsen die Aufgaben der Stiftung. Die Satzung wurde geändert, so dass auch den akut vom Verfall bedrohten Altstadthäuser, Kirchen und Herrensitzen im Osten Deutschlands rasche und unbürokratische Hilfe zuteilwerden konnte. Angesichts der Dringlichkeit und der Verbundenheit zu Orten in den neuen Bundesländern wuchs die Zahl der Förderer rapide an. Mit Aufnahme in den Kreis der Destinatäre der GlücksSpirale erhielt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 1991 ein weiteres wichtiges finanzielles Standbein für ihre Arbeit. Unter
www.denkmalschutz.de/projekte.html findet man die zahlreichen geförderten Denkmale in einer Karte, kann eigene Bilder dazu hochladen, Kommentare schreiben und natürlich online spenden. So tragen Sie dazu bei, dass noch viele Denkmale in Deutschland eine Zukunft bekommen.
Nicht nur Kapital, sondern auch Zeit und Enthusiasmus sind nötig, um heruntergekommene Baudenkmale vom Schandfleck zu einem lebendigen Ort der Geschichte zu wandeln. Sanierungskonzepte müssen erstellt, marode Steine, Stuck und Balken in unermüdlicher Kleinarbeit von Schmutz und Schädlingen befreit, Mauern und Dachstühle wieder standfest gemacht werden. Denn nur wo Sorgfalt am Werk ist, können künftige Generationen authentisch erfahren, wie ihre Vorfahren lebten. Daher setzt sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für die Wiederbelebung alter Handwerkstechniken ein und begeistert auch Kinder und Jugendliche durch das Schulprogramm „denkmal aktiv“ und die Jugendbauhütten für die Denkmalpflege.
Denkmalschutz erlebbar zu machen haben sich auch viele Ehrenamtliche der Stiftung auf die Fahnen geschrieben. In vielen Städten und Regionen bieten sie vielfältige Programme und Aktionen an: Vom Infostand bei Stadtfesten über Vorträge und Ausstellungen bis hin zu Tagesfahrten, laden sie Interessierte ein, teilzuhaben an unserem kulturellen Reichtum. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich für eine Monumente-Reise anzumelden, um so Förderprojekte der Stiftung zu bereisen. Viele Reisende sehen dabei, wie ihr persönliches Engagement in Form von Spenden oder Zustiftungen Hilfe leistet, wertvolle Denkmale zu erhalten – ganz gleich ob das marode Dach einer Kirche gedeckt, ein Bürgerhaus vom Hausschwamm befreit oder ein kunstvolles Fresko restauriert werden konnte.
Eines ist sicher: Jedes bewahrte Denkmal ist es wert, denn alle – ganz gleich ob die renommierten „Star-Denkmale“ oder die „Denkmale von nebenan“ – erzählen auf ihre Weise von gelebter Geschichte.