Kulturmagazin

Das Jüdische Köln

von Hannah Kessler

Ein Stadtführer der Historikerin Barbara Becker-Jákli widmet sich Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Köln.

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Kölns jüdische Geschichte ist eine düstere. Es ist eine Geschichte der Vertreibung, der Diffamierung und Deportation, eine Geschichte der Vernichtung. Aus diesem Grund fehlen zahlreiche Zeugnisse jüdischen Lebens: Das mittelalterliche Viertel um den Rathausplatz wurde Anfang des 15. Jahrhunderts aufgelöst und gänzlich verwüstet. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten die Nationalsozialisten zahlreiche jüdische Einrichtungen – Wohnhäuser, Synagogen, Ladengeschäfte – , die Bomben der Alliierten taten ihr Übriges. Ein Stadtführer durch das jüdische Köln muss den ausgelöschten Spuren nachgehen. Doch wie jenes Unsichtbare anschaulich machen?

Ausgelöschten Spuren nachgehen

Barbara Becker-Jákli gelingt dies auf zweierlei Art und Weise: Sie bebildert den Stadtführer mit seinen sechs Rundgängen durch die verschiedenen geschichtlichen Perioden reich: Über 800 Abbildungen zeigen historische Straßenansichten, Stadtpläne sowie Zeugnisse jüdischen Wirkens und Glaubens. Vor allem aber setzt Becker-Jákli die verschiedenen Stationen in Bezug zu den Biografien der Kölner Juden.

Und so gelingt etwas, das man wohl als die eigentliche Ambition des Werkes bezeichnen kann: Barbara Becker-Jákli trägt dazu bei, das Andenken an das jüdische Köln und seine verhängnisvolle Geschichte zu bewahren.

Im Gedenken an das ehemalige Zentrum der jüdischen Orthodoxie

Wo heute eine Gedenktafel den aufmerksamen Passanten an das ehemalige Zentrum der jüdischen Orthodoxie in der St. -Apern-Straße 29 – 31 erinnert, berichtet die Autorin von Dr. Erich Klibansky. Von jenem Schuldirektor, der nach der nationalsozialistischen Machtergreifung die Kinder der privaten Volksschule Moriah auf das Exil vorbereitete. Nach dem Pogrom von 1938 plante Klibansky, die gesamte Schule nach Großbritannien zu verlegen. Dorthin gelang 1939 schließlich auch die Emigration von mehr als 130 Jungen und Mädchen sowie einiger Lehrkräfte. Das Schulgebäude der Gemeinde Adass Jeschurun jedoch verkam in den Folgejahren zu einem der größten Ghettohäuser der Stadt. Hunderte von Menschen mussten hier in drangvoller Enge leben, ehe sie im Sommer 1942 nach Minsk deportiert und nach Ankunft des Zuges in Weißrussland ermordet wurden. Unter den Verschleppten waren auch Dr. Erich Klibansky, seine Frau Meta und ihre drei Söhne.

Barbara Becker-Jákli spürt solche Orte auf, sie erzählt die Biografien jener Exilanten, Hausbesitzer, Deportierten. „Schwere Tage liegen hinter uns und nun findet heute der Abtransport statt“, ist in einem abgedruckten Brief vom 15. Juni 1942 zu lesen. Es ist ein schweres Andenken, das dieses Buch bewahrt. Und wer es liest, kann nicht begreifen, dass antijüdische Darstellungen wie das Motiv der „Judensau“ im Chorgestühl des Kölner Dom bis heute unkommentiert bleiben.

Ein Buch, das einem Stolperstein gleicht

Doch neben den Orten von Diffamierung und Vernichtung tauchen auch die Einrichtungen der heutigen Synagogen-Gemeinde auf. Und so wirkt das Buch wie einer jener goldenen Stolperstein des Kölner Bildhauers Gunter Demnig: Es arbeitet auf, es bewahrt, es verbindet Geschichte und Gegenwart.

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Buchinformationen:
Barbara Becker-Jákli
Das Jüdische Köln. Geschichte und Gegenwart
Ein Stadtführer
Emons Verlag
ISBN-13: 9783897058736
€ 16,95

Weitere Informationen und Publikationen zum Thema finden Sie hier.

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