Kulturmagazin

John Irving – zwischen Ringen und Schreiben

von Daniela Günther

Man mag sich vielleicht fragen was Ringen mit Schreiben zu tun hat. Für John Irving eine ganze Menge. Der nun 70 jährige Schriftsteller praktiziert beides mit der gleichen Intensität und Hingabe. Anlässlich seines 70. Geburtstages werfen wir einen Blick auf ihn und wie er die Welt sieht.

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20 Jahre lang war Irving professioneller Ringer und die Sporthalle sein Zuhause. Doch ebenso wohl fühlt er sich in der heimischen Gartenlaube, wenn er schreiben kann. Das Ringen habe ihm beim Schreiben geholfen. Die benötigte Disziplin und die ständigen Wiederholungen seien wichtige Bestandteile für beide Tätigkeiten. Schreiben sei im Grunde wie Trainieren.

Diese Auffassung spiegelt sich in seiner Arbeit wider. Sieben Jahre lang schrieb er an seinem Buch „Bis ich dich finde“. Sein dickstes Werk. Dennoch hielt ihn das nicht davon ab, das komplette Buch nochmal neu zu bearbeiten und die Erzählperspektive zu ändern. Ihm geht es nicht um Schnelligkeit, er schreibt sogar mit der Hand um dem Schreiben das Tempo zu nehmen. Disziplin und Akribie führen ihn zum Ziel, er beendet seine Bücher erst, wenn er mit seiner Arbeit auch zufrieden ist und glaubt sein Bestes gegeben zu haben.

Er selbst bezeichnet sich als Architekt seiner Werke. Oftmals wird ihm das Konstruierte, das Wiederholende vorgeworfen, doch das ist es, was Irving selbst für wichtig hält. Die Geschichte und die Zusammenhänge müssen ineinander greifen die Wiederholungen sind wichtig. Denn erst durch Wiederholungen wird man besser.

Für Irving sind auch die Schauplätze seiner Bücher sehr wichtig. Oft haben sie biografische Bezüge und kommen wiederholt vor. So hat er selbst zwei Semester in Wien studiert und dort auch gleich seinen ersten Roman verfasst: „Laßt die Bären los!“ In seinem Roman „Hotel New Hampshire“ wird Wien dann zum Schauplatz. Heute lebt er zeitweise in Toronto. Einem der Schauplätze aus „Bis ich dich finde“.

Doch neben all den Parallelen, die er zwischen seinem Sport und dem Schreiben zieht, unterscheidet sich dennoch etwas: das Ende. Denn bei einem Ringkampf ist das Ende nicht vorherbestimmt, bei Irvings Romanen hingegen schon. Stets beginnt er mit dem Schluss seiner Geschichte. So ist der letzte Satz immer auch der erste Satz.

Gehen Sie weiter auf Spurensuche zu den Orten und Menschen, die Teil seiner Werke geworden sind und wagen Sie einen Blick in die Schreibwerkstatt Irvings. Die Dokumentation „John Irving und wie er die Welt sieht“ bietet faszinierende Einblicke in Irvings Welt.

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