Kulturmagazin

Karneval in Köln - Für jede Pappnas ist was dabei

von Daniela Günther

Jetzt heißt es wieder Kölle Alaaf! Die heiße Phase der fünften Jahreszeit hat begonnen. Eine Woche lang steht die Domstadt Kopf. Höchste Zeit also einen Blick auf die Geschichte und Highligts des Kölner Karnevals zu werfen. Woher stammt der Brauch und wie feiert man heute. Wir haben für Sie einen Karnevalsguide zusammengestellt - so können Sie kein Highlight mehr verpassen! Feiern Sie mit getreu dem diesjährigen Motto

"Jedem Jeck sing Pappnas"


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Der Kölner Karneval ist fast so alt wie die Stadt Köln selbst. Schon die Griechen und Römer wussten fröhliche Frühlingsfeste mit Wein, Weib und Gesang zu feiern. Auch die Germanen konnten mir den Griechen standhalten und feierten die Wintersonnenwende als Huldigung der Götter und Vertreibung der bösen Winterdämonen. Später übernahmen die Christen einige dieser Bräuche und läuteten die Fastenzeit mit der Fastnacht oder dem Karneval ein. Der Karneval wurde zur Tradition und so wurde auch im Mittelalter die Fastnacht wild und fröhlich zelebriert. Im 18. Jahrhundert kamen die Masken- und Kostümbälle in Mode und gesellten sich zum Straßenkarneval. 1823 fand in Köln dann der erste Rosenmontagszug statt. Es wurden Festkomitees gegründet und mit dem Kölner Dreigestirn wurde auch der Kölner Karneval geboren so wie wir ihn jetzt kennen. Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch gilt seitdem der Ausnahmezustand in Köln.

Weiberfastnacht

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Die kölsche Frohnatur feiert schon morgens die Weiberfastnacht oder wie es in der Domstadt heißt „Wieverfastelovend“. Offiziell wird der Karneval um 11.11 Uhr am Alter Markt eröffnet. Hier übergibt der Oberbürgermeister symbolisch den Schlüssel der Stadt an das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau, die von nun an sechs Tage lang die Regentschaft übernehmen. Im Schatten des Rathausturms, rund um das Denkmal Jan van Werths wird hier geschunkelt und gesungen. Traditionell wird am Severinstor um 13 Uhr das Historienspiel Jan und Griet aufgeführt mit dem bekannten Dialog von Karl Cremer:

Un als dä Jan dat Griet dät sinn,
leet stell sie Päd hä stonn
un jrößten it un säht zo im:
"Griet, wer et hätt jedonn!"

Un als dat Griet dä Jan dät sinn
su blänkig usgeross,
do jrößt it in un sät zo im:
"Jan, wer et hätt jewoss!"



Das Historienspiel soll an den armen Bauernjungen Jan von Werth erinnern, der im Dreißigjährigen Krieg zum Reitergeneral aufstieg. Als Knecht verliebte er sich in das Mädchen Griet und machte ihr einen Heiratsantrag, den sie ablehnte. Als sie ihn Jahre später als Reitergeneral wieder sah, bereute sie den armen Bauernjungen verschmäht zu haben mit den Worten "Jan, wer et hätt jewoss!" Der anschließende Umzug durch die Stadt endet am Jan van Werth Denkmal mitten auf dem Alter Markt.

Neben dem historischen Alter Markt ist auch der Heumarkt ein beliebter Startpunkt in den Straßenkarneval. Rund um das Reiterdenkmal für Friedrich Wilhelm III. von Preußen feiert der Kölner nicht minder ausgelassen den Beginn der jecken Zeit. Schlipsträger sollten sich aber in Acht nehmen. Im Rheinland machen die Frauen Jagd auf Krawatten mit Scheren bewaffnet pirschen Sie sich heran um die beliebte Trophäe zu ergattern. Damit sich die Männer nicht all zu arg sträuben gibt es nach der erfolgreichen Jagd ein Küsschen in Köln „Bützje“ genannt.

Karnevalsfreitag
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Tagsüber dient der Freitag zur Erholung und gilt als ruhigster Tag in der närrischen Jahreszeit. Er ist der ideale Tag um am Abend eine Karnevalssitzung zu besuchen. Die größte Sitzung der Stadt ist die „Lachende Kölnarena“ hier kann man gemeinsam mit rund 10.000 Jecken den Kölner Karneval zelebrieren. Ort des Geschehens ist die Lanxess Arena in Köln Deutz. Sie hat Platz für 20.000 Narren, die hier ausgelassen tanzen, lachen, schunkeln und singen können. Die Lachende Kölnarena zeigt alles was der Kölner Karneval zu bieten hat: Stars der karnevalistischen Musikszene, das Kölner Dreigestirn und die besten Büttenredner Kölns.

Nelkensamstag
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Wer bisher am Samstag Abend durch Köln gezogen ist und auf Geister, Hexen oder Dämonen traf, der ist dem Geisterzug begegnet. Dank der dumpfen Trommelklänge und den schaurig-finster dreinblickenden Schreckensgestalten gab es hier bisher statt „Kamelle“ (Süßigkeiten) und „Strüßje“ (Sträußchen) eine saftige Gänsehaut. Der Kölner Geisterzug ist sowohl als alternativer Straßenzug als auch als Demonstration zu verstehen. Als 1991 der Rosenmontagszug aufgrund des Golfkrieges abgesagt wurde, trafen sich die Kölner Karnevalisten und Demonstranten zur „Anti-Golfkriegs-Demonstration" durch die Stadt. Seitdem ziehen düstere Gestalten durch die Gassen Kölns. Beim Geisterzug gibt es zwar keine Kamelle dafür aber jede Menge Tanz, Musik und Bützje. Denn beim Geisterzug kann und soll jeder spontan mitmachen. Hier steht man nicht am Rand und ruft nach Kamelle uns Strüßje hier ist mitmachen angesagt. Mit Trommeln, Gesang und Tanz zieht man gemeinsam durch die Nacht. Leider kann der diesjährige Geisterzug nicht stattfinden, da die Kosten das Budget der Veranstaler überschreitent. Alternativ kann man Kölns traditionsreichen Kostümball, den Mummenschanz im Sartory besuchen oder Sie feiern auf dem Neumarkt. Denn hier schlagen die Roten Funken ihr Biwak auf. Der Traditionskorps lädt ab 10:30 Uhr zu Erbsensuppe und Kölsch ein. Neben Stippeföttche und Funkenmariechen gibt es ein karnevalistisches Bühnenprogramm.

Tuplensonntag
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Am Sonntag kommen die kleinen Narren ganz groß raus. Denn am Sonntag finden die "Schull- und Veedelszöch" (Schul- und Stadtteilzüge) statt. Ab 11 Uhr ziehen die kleinen und großen Karnevalisten vom Chlodwigplatz durch die Stadt und nehmen dabei fast den gleichen Zugweg wie der große Rosenmontagszug. An den "Schullzöch" beteiligen sich rund 40 Kölner Schulen, bei den "Veedelszöch" nehmen Stammtische und Stadtteilsvereine teil. Seit 1952 locken ihre vielen phantasievollen Kostüme rund 250.000 Besucher an. Das Kostümieren und Schmücken lohnt sich auch, denn es wird sowohl die schönste Fußgruppe als auch die schönste Wagengruppe prämiert und ein Originalitätspreis verliehen. Die drei Gewinner dürfen dann am großen Rosenmontagszug teilnehmen.

Rosenmontag
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Der Rosenmontagszug ist neben Weiberfastnacht der absolute Höhepunkt des Kölner Straßenkarnevals. Über eine Million Menschen säumen dann den Weg des Zugs. Um 10:30 Uhr setzt sich das bunte Treiben aus Narren und Jecken in Bewegung und kommt erst 6,5 Kilometer und etwa vier Stunden später zur Ruhe. Es ist der größte Rosenmontagszug Deutschlands und die guten Plätze am Rand des Zuges sind rar. Früh aufstehen lohnt sich aber, denn hier herrscht eine einzigartige und ausgelassene Stimmung. Mit Gesang, Tanz und Schunkeln ist der Spaß bis der „Zoch kütt“ garantiert. Denn in Köln ist man nie alleine - spätestens nach fünf Minuten hat man neue „Fründe“ und kann dann gemeinsam die rund 100 bunten Prunkwagen bestaunen. Unter dem diesjährigen Motto "Jedem Jeck sing Pappnas" dürfen wieder fleißig „Kamelle“ und „Strüßje“ gefangen werden. Spätestens nach dem Rosenmontagszug wird dann einem jedem klar:

Köln ist nicht nur irgendeine Stadt - Köln ist ein „Jeföhl“!

Veilchendienstag
Nach dem Paukenschlag am Montag feiern die Jecken am Dienstag nochmal in ihren Stadtteilen. Die größten „Veedelszöch“ finden in den Stadtteilen Mülheim, Nippes und Ehrenfeld statt, wo jeweils bis zu 200.000 bunt kostümierte Jecke den Straßenrand säumen. Die Umzüge sind zwar nicht so groß wie der berühmte Rosenmontagszug, dafür aber persönlicher und mit viel Herz organisiert.

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Das Ende einer jeden Session ist die Nubbelverbrennung. Sollte es ein Bützchen oder ein Kölsch zu viel gewesen sein, dann sollte man die Nubbelverbrennung nicht verpassen. Denn bei der Nubbelverbrennung werden den Sündigen alle Fehltritte vergeben. Der Nubbel selbst ist eine lebensgroße Strohpuppe, die während der Karnevalstage über vielen Kölner Kneipen hängt und für alle Sünden verantwortlich gemacht wird. Unter wüsten Beschimpfungen, Wehklagen und Gesang wird er dann am späten Abend gegen Mitternacht angezündet. Mit dem Rauch sollen dann auch die Sünden der vergangenen Tage verschwinden.

Aschermittwoch
Am Aschermittwoch ist, wie schon das Kölner Urgestein Jupp Schmitz wusste und auch besang, alles vorbei. Die fünfte Jahreszeit neigt sich dem Ende und der letzte Gang der Jecken führt zum traditionellen Fischessen.

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