Kulturmagazin
Ausgeträumt - Zwölf Jahre ohne Hundertwasser
Zwölf Jahre sind es nun, seitdem Friedrich Stowasser keine Träume mehr verwirklicht. Er hat seine Ruhe im „Garten der glücklichen Toten“ unter einem Tulpenbaum gefunden. Sein Verlust macht sich in der modernen Architektur bemerkbar. Anlass genug, um einmal über seine Kunst und seine Vermächtnisse für die moderne Gesellschaft zu reflektieren.
Design im Sinne von Klarheit, Reinheit, Struktur und Pragmatik – der Bauhausstil zeichnet die Moderne aus und ist gänzlich schnörkellos. Man könnte ihn beinahe als steril bezeichnen. Die klaren Formen, Strukturen und die unbunten Farben strahlen Kälte und Ausdruckslosigkeit aus. Aber weshalb zeichnet genau das die natürliche Umgebung des Menschen in der Moderne aus?
Simple Antwort: Das Medium Zeit kam in die Quere. Zeit ist die fehlende Dimension. Es gibt immer zu wenig von ihr - sie ist der Erzfeind der Kreativität und der Verbündete von Geld.
Seit Beginn der Industrialisierung schreitet die Globalisierung voran. Der Kapitalismus als vorherrschendes Wirtschaftssystem bringt neue Werte in die Gesellschaft: Flexibilität, Mobilität und Ungebundenheit.
Der moderne Mensch arbeitete nicht, um zu leben – er lebte, um zu arbeiten. Der moderne Mensch war ungebunden, denn er musste flexibel für seine Arbeit sein. Der moderne Mensch forcierte das große Ziel der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und lebte für die Verwirklichung seiner Träume in der Zukunft. Fragt sich nur, warum der Mensch von finanzieller Absicherung und von Anreicherung der neuesten Konsumgüter träumte und noch immer träumt?
Simple Antwort: Weil wir den Sinn für das kindliche Sehen verloren haben und weil wir uns durch Statussymbole definieren.
Das Paradies ist selbstverständlich eine Definitionsfrage. Für Hundertwasser war das Paradies gleichgestellt mit der Natur auf der Erde. Bereits in den bildenden Künsten wird das Paradies unter freiem blauem Himmel mit Blumenmeeren auf grünen Wiesen dargestellt. Hundertwasser übt Kritik aus, weil die Umwelt nicht respektiert von den fortschrittlichen Architekten. Sie zerstören das eigentliche Lebenselixier der Lebewesen. In der Moderne würde Stefan Lochners „Madonna in der Rosenlaube“ wahrscheinlich folgendermaßen aussehen: Eine durch Schönheits-Ops perfekt gestaltete Frau sitzt in einem White Cube inmitten von der EU-Norm- gerecht gezüchteten Rosen.
Die Kritik des Künstlers ist begründet, denn der moderne Mensch lebt in einer weißen Schachtelkonstruktion. Ohne schiefe Wände, mit einem ebenen Boden, mit abgedichteten Räumen geschmückt mit Guckfenstern nach außen – er bestimmt, wann Insekten, Tiere, und Luft in diese Schachtel gelangen. Er lässt die Natur nicht an sich teilhaben, sondern er selbst bestimmt, wann er zu der Natur will. Ist das Ihre Vorstellung vom Paradies auf Erden?
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