Kulturmagazin
RUHR.2010. Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel
Das Ruhrgebiet, und als stellvertretender Gastgeber die Stadt Essen, ist seit Januar 2010 für ein Jahr europäische Kulturhauptstadt. Das Ruhrgebiet soll in seiner Ganzheit, Vielfalt und Einmaligkeit dargestellt werden. Nicht die Reduzierung auf Bergbau und Kohle, sondern die kulturelle Vielschichtigkeit und die daraus entstehende Kunst- und Kulturlandschaft stehen im Mittelpunkt der zahlreichen Veranstaltungen und Events im Jahr 2010.
Der damalige Bundespräsident Horst Köhler eröffnete am 9. Januar 2010 offiziell das Programm mit einem großen Festakt in der Zeche Zollverein in Essen. Herbert Grönemeyer, bekennender Bochumer, stellte die Hymne zur Kulturhauptstadt „Komm zur Ruhr“ vor. Nach dem offiziellen Programm vor circa 1000 geladenen Gästen fand ein zweitägiges Kulturfest statt, das Einblicke in die verschiedenen Projekte der RUHR.2010 ermöglichte. Seitdem finden im gesamten Gebiet zwischen Wesel und Hamm, zwischen Marl und Hagen kulturelle Events statt, die die unterschiedlichsten Bereiche von bildender Kunst und Musik über Tanz und Theater bis hin zu Architektur und Denkmalpflege thematisieren und die kulturelle Vielschichtigkeit der Region illustrieren.
Die Bereiche Theater und Musik leben von dem Einbezug der Bevölkerung. Die Bewegung und die Musik sollen die Menschen verbinden und wiederum die unterschiedlichsten Kulturen des Ruhrgebietes zusammenbringen. Projekte wie „Jedem Kind ein Instrument“ kümmern sich vor allem um die Kleinsten. Das Projekt, das schon seit 2003 existiert, wurde auf die gesamte Region ausgedehnt und das ehrgeizige Ziel, dass alle 170.000 Grundschüler der Region mit der Liebe zur Musik und zu Instrumenten infiziert werden, scheint näher zu rücken. Nach einem allgemeinen musikalischen Unterricht erhalten die Kinder ab der zweiten Klasse ein Instrument ihrer Wahl als Leihgabe für den Unterricht und für zuhause. Theaterprojekte wie „Theater der Welt“ vereinen nicht nur Tanzprofis mit Nachwuchskünstlern, sondern auch die verschiedensten Tanzstile und Einflüsse aus der ganzen Welt miteinander. Auch hier fungiert das Ruhrgebiet als Schmelztiegel, in dem Kulturen zueinander finden, um etwas Innovatives und Einzigartiges zu schaffen, bei dem vor allem der Elan und die Unvoreingenommenheit des Nachwuchses gefordert ist. Die Zweite Biennale Tanzausbildung/Tanzplan Deutschland wird organisiert von der Folkwang Universität für Künste in Essen, die zu einer der führenden Hochschulen für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft gehört.
Nicht zuletzt architektonisch hat die Region an der Ruhr eine Menge zu bieten. Natürlich steht hier die industrielle Vergangenheit im Vordergrund, allein 3.500 Industriedenkmäler, die teils vom Westfälischen und teils vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege betreut werden, gilt es zu entdecken.
» Hier wird wie an keinem anderen Ort deutlich, was das Ruhrgebiet von jeher ausmacht. Menschen kommen aus allen Regionen, Ländern sowie Gesellschafts- und Kulturschichten zusammen und feiern, diskutieren und lachen miteinander. «Während die Stadt Essen ganzjährig mit Kulturveranstaltungen und Festivitäten lockt, stellt sich jede Stadt des RVR-Gebietes auch in einer Themenwoche als „Local Heroe“ vor.
Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel, so lautet das offizielle Motto der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet. Doch was verbirgt sich dahinter? Das Gebiet zwischen Lippe, Emscher, Ruhr und Rhein war von jeher geprägt durch neuartige Einflüsse von außen. Fremde Kulturen strömten ins Ruhrgebiet, die stets einen Wandel mit sich brachten. Einen Wandel der kulturellen Sitten und Gebräuche, einen Wandel der Leben- und Arbeitsbedingungen oder eben einen Wandel des öffentlichen Wahrnehmens, wie spätestens seit dem Jahr 2010. Durch diesen stetigen Wandel haben sich jedoch auch wieder ganz eigene, typische Charakteristiken herausgebildet, die das Ruhrgebiet einmalig machen. Das Ruhrgebiet schafft es, sich in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen und wird damit auch nach 2010 eine Region der Kulturen, der Kunst und des stetigen Wandels bleiben. Lassen sie sich einladen an diese, Prozess teilzunehmen und das Ruhrgebiet, das längst nicht mehr nur „der Pott“ ist, neu zu entdecken.
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