Kulturmagazin

Burgen, Weine und Legenden – Das Obere Mittelrheintal

von Daniela Günther

Wer die viel besungene Rhein-Romantik sucht, der ist am Mittelrhein genau richtig. Reisen Sie zurück in die Vergangenheit, in eine Welt voller Sagen und Legenden. Entdecken Sie das Obere Mittelrheintal und seine Geschichte.

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Der Inbegriff einer Burgenlandschaft, so könnte man das Obere Mittelrheintal bezeichnen. Mit seinen über 30 Burgen auf einer 65 Kilometer langen Strecke, wurde es 2002 in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Zwischen Bingen im Süden und Koblenz im Norden erheben sich die prächtigen Burgen. Statistisch gesehen steht alle drei Kilometer eine davon. Das ist eine weltweit einmalige Dichte.

Der Grund für die vielen Burgen liegt in der Geschichte:
Das Mittelrheintal lag schon immer strategisch günstig und brachte hohe Zölle ein. Die Burgen sicherten aber auch ein bestimmtes Gebiet gegen kriegerische Nachbarn ab. Doch sie wurden nicht nur aus strategischen Gründen an besonders auffälligen Orten errichtet, sondern dienten auch als sichtbares Herrschaftszeichen ihres Besitzers.

Auf den ersten Blick mögen die Burgen wie Bauten des Mittelalters wirken. Tatsächlich aber ist es so, dass die meisten jünger als 200 Jahre alt sind und ganz und gar nicht mittelalterlich. Das liegt daran, dass viele der Burgen zu Ruinen verfallen waren und erst durch das Aufkommen der Rheinromantik im frühen 19. Jahrhundert wiederaufgebaut oder umgestaltet wurden. Der Rhein war für die Romantiker nicht nur eine Sehenswürdigkeit, sondern eine Herzensangelegenheit. Jene schwärmerische, poetische Begeisterung für das Rheinland nahm ihren Anfang mit Dichtern wie Clemens Brentano, Achim von Arnim oder Josef von Eichendorff. Sie machten den Rhein zum Gegenstand ihrer Kunst und sorgten so für das nötige Interesse an einen Wiederaufbau der alten Ruinen. Doch nicht alle Burgen verfielen, zwei trotzten dem Zahn der Zeit und blieben im Originalzustand erhalten – die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub und die Marksburg bei Braubach.

Burg Pfalzgrafenstein
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Auf einem Felsenriff im Rhein steht sie, die wohl meistfotografierte Burg im Oberen Mittelrheintal. Die Burg Pfalzgrafenstein wurde um 1326 errichtet. Anders als andere Burgen am Mittelrhein war die „Pfalz bei Kaub“ nicht bewohnt. Sie diente vom 14. bis 19. Jahrhundert ausschließlich als Zollstation. Da die Zollburg nie zerstört wurde, blieb sie bis heute erhalten. Dennoch setzten Hochwasser und Eis ihr immer wieder zu. Um Mauerwerk und Fundamente besser zu schützen, erhielt die Burg einen Vorbau aus Stein und somit ihr schiffsähnliches Aussehen.

Marksburg
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Die Marksburg ist die einzige vollständig erhaltene Höhenburg. Über der Stadt Braubach wurde sie im 12. Jahrhundert als erste Befestigungsanlage gebaut. Bis heute ist die mittelalterliche Wehranlage mit Bauten aus dem 13. bis 15. Jahrhundert erhalten. Auch typische Innenräume wie Burgküche, Rittersaal und Weinkeller erlauben einen Blick in die Vergangenheit. Heute gilt sie als Sinnbild der mittelrheinischen Burgen- und Wehrarchitektur. Dank der sorgfältigen Denkmalpflege seit 1900 bietet sie wie keine andere Rheinburg dem Besucher das Erlebnis mittelalterlicher Burg-Atmosphäre.

Der Weinanbau
Neben den einzigartigen Burgen bietet das Obere Mittelrheintal auch einzigartigen Wein. Das Weinbaugebiet erstreckt sich durch die geschichtsträchtige Landschaft entlang des Rheins, vorbei an Burgen und der weltberühmten Loreley. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es so viele erfolgreiche Weinbau- Betriebe auf so kleinem Raum wie am Mittelrhein. Teile von zwei berühmten deutschen Weinanbaugebieten liegen hier im Tal: der südliche Teil des Anbaugebietes Mittelrhein und die nördliche Spitze des Anbaugebietes Rheingau. Beide gehören zu den ältesten in ganz Deutschland. Schon die Römer haben hier Wein geerntet.

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Bis heute berühmt ist die Weinstadt Bacharach. Schon der französische Romantiker Viktor Hugo beschrieb sie im 19. Jahrhundert als eine der "schönsten Städte der Welt". Und noch heute bezaubert sie mit ihrem reichen Bestand an Fachwerkfassaden, prächtigen Bauten und vor allem dem guten Wein. Durch die günstige Lage am Rhein verschiffte man hier Wein in alle Teile Europas. Der Wein selbst war als "Bacharacher" bekannt und gehört heute noch zu den wertvollsten Weißweinen der Welt.

Neben der Welt des Weines entführt das Mittelrheintal aber vor allem in eine Welt voller Sagen und Legenden. Jeder Ort hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Die berühmtesten sind die des Mäuseturms, der Loreley und die der feindlichen Brüder.

Wie der Mäuseturm zu seinem Namen kam
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Eine der beliebtesten Legenden ist die des Mäuseturms von Bingen. Im 10. Jahrhundert wurde er von dem Mainzer Erzbischof Hatto II. erbaut. Der Sage nach soll der hartherzige Bischof während einer Hungersnot den Armen Hilfe aus seinen gefüllten Kornkammern verwehrt haben. Als sie weiter bettelten, sperrte er sie in eine Scheune und setze diese in Brand. Die Schreie der Sterbenden kommentierte er mit den Worten: „Hört ihr die Kornmäuslein unten pfeifen?“ In diesem Moment kamen tausende Mäuse aus allen Ecken und aßen ihn bei lebendigem Leibe auf. Dank der düsteren Legende fand der Turm vielfach Widerhall in der Literatur und Kunst. Heute gilt er als eines der ältesten, identifizierbaren Rheinmotive der Landschaftsmalerei.

Die Legende der Loreley
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Die wohl berühmteste Sage des Rheins ist die der Loreley. Der Sage nach war sie eine betörende Schönheit und zugleich die größte Gefahr für die Schifffahrer. Sie saß auf dem gleichnamigen Felsen und hielt Ausschau nach Schiffen. Ihr lieblicher Gesang und das Kämmen ihres langen blonden Haares lockten Schifffahrer an. Diese waren derart verzaubert von ihrer Schönheit, so dass Sie abgelenkt von den Gefahren des Rheins, ums Leben kamen. Ursprünglich erschien die Loreley in einer Ballade des rheinländischen Dichters Clemens Brentano, der das Loreley-Thema mehrfach variierte. Später behandelte Heinrich Heine eindrucksvoll den Stoff der betörenden Schönheit vom Rhein in seinem berühmten „Loreley-Lied“.

Die Sage der feindlichen Brüder
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Die Sage erzählt von den beiden Söhnen des Burggrafen, die beim Aufteilen des väterlichen Erbes ihre blinde Schwester hintergingen und sie um ihren Erbanteil brachten. Den Brüdern brachte der erlangte Reichtum jedoch nur Zwietracht. Sie verfeindeten sich so sehr, dass sie ihre Burgen durch eine Mauer voneinander abgrenzten. Als das Erbe verschleudert war, wollten Sie sich wieder versöhnen und verabredeten einen Jagdausflug für den nächsten Morgen. Wer zuerst erwachte, sollte den anderen durch einen Pfeilschuss gegen den Fensterladen wecken. Als aber der Pfeil gerade abgeschossen war, öffnete sich das andere Fenster und das Geschoss drang dem Bruder mitten ins Herz. Nach der tragischen Feindschaft verfielen die Burgen zusehends. Dank der Sage gehören Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein heute zu den populärsten Burgen am Rhein.

Das Obere Mittelrheintal bietet eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem außergewöhnlichen Reichtum an kulturellen Zeugnissen. Seine besondere Erscheinung verdankt das Mittelrheintal dabei der Flusslandschaft des Rheins und der Gestaltung durch den Menschen. Mit seinen hochrangigen Baudenkmälern, den Weinanbaugebieten, den schaurigen Geschichten und den romantischen Dörfern wird Sie das Rheintal verzaubern. Entdecken Sie selbst die Rheinromantik!

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